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„In zehn Jahren wird es kaum noch andere Autos zu kaufen geben“

22 / 03 / 2016

Horst Schatz ist ein Pionier: Vor knapp einem Jahr hat er das erste Elektrotaxi in die Regensburger Altstadt gebracht. Zukunftsgewandt und umweltfreundlich durch den Verkehr – lautet seine Devise.

Als erstes E-Taxi in Regensburg ist ihr Fahrzeug ein echtes Unikat. Buchen Ihre Kunden gezielt das E-Taxi?

Es gibt Leute, die anrufen und unbedingt mit dem E-Taxi der Marke TESLA fahren wollen. Speziell am Anfang war die Nachfrage sehr groß.

Ist die Begeisterung auch nach fast einem Jahr noch ungebrochen?

Am Anfang war natürlich der Aha-Effekt größer. Wenn wir durch die Stadt gefahren sind, hat sich nahezu jeder umgedreht – fehlende Geräusche und auch die Form war ungewöhnlich für ein Taxi. Die Begeisterung ist aber immer noch groß und ich werde oft angesprochen. Ich versuche aber, Stammkunden ein bisschen zu bremsen, weil ich möchte, dass möglichst viele Leute mit dem TESLA mitfahren.

War das Elektroauto auch für Sie ein neues Fahrgefühl?

Das Auto fährt viel sanfter. Das Auto hat kein Getriebe mehr, kein Geruckel beim Fahren. Außerdem ist es wunderbar leise. Das ist alles sehr angenehm. Außerdem ist die Bedienung absolut narrensicher. Das Auto wird ausschließlich über Bildschirme bedient. Ich kann auch über eine App in meinem Smartphone sehen, wo das Taxi gerade unterwegs ist, wie schnell es fährt usw. Man kann das Auto permanent überwachen. Gerade für ein Taxiunternehmen ist das eine tolle Sache.

Hält diese ausgefeilte Technik nicht auch Risiken bereit?

Das ist kein Problem. Falls die App nicht funktionieren sollte, lässt sich das Auto natürlich auch ganz simpel mit Schlüssel bedienen.

Wie gehen Sie denn damit um, dass Ihr Taxi kaum zu hören ist? Nehmen die Menschen auf der Straße das Auto frühzeitig wahr?

In elf Monaten bin ich 110.000 Kilometer mit dem Auto gefahren und es ist mir noch nicht einmal passiert, dass mich jemand übersehen oder besser gesagt überhört hätte. Durch die Altstadt fahre ich sowieso langsam und achte auf die Fußgänger. Die Diskussion, ob man Elektroautos mit einem Geräusch versehen sollte, halte ich nicht für sinnvoll. Schließlich ist es eine tolle Errungenschaft, die man nicht einfach wieder aufgeben sollte. Es gibt ja generell schon genug Verkehrslärm.

Wie kamen Sie darauf, ein E-Taxi für Ihr Unternehmen anzuschaffen?

Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht und lange überlegt. 2014 bin ich bei einer Promotion-Aktion von TESLA zum ersten Mal Probe gefahren und war sofort begeistert. Vor allem weil das Auto so unkompliziert ist. Dann habe mir für eine Woche lang einen TESLA geliehen. Damit habe ich Taxischichten simuliert und Bekannte von A nach B befördert, um den TESLA für den Einsatz als Taxi zu testen.

Die Anschaffung eines TESLAs kostet rund 80.000 Euro. Ist der Einsatz wirtschaftlich sinnvoll?

Die Betriebskosten für das Fahrzeug sind um ein Vielfaches geringer als bei einem Dieselmotor oder einem Benziner. TESLA bietet das Laden kostenlos an. Ich bin jetzt 110.000 Kilometer unterwegs und ich habe außer des Anschaffungspreises und der Kfz-Versicherung noch keinerlei Kosten. Diesel oder Benzin kosten ab dem ersten Meter Geld.

Können Sie sich vorstellen, Ihr Unternehmen weiter auszubauen und noch mehr Elektrotaxis anzuschaffen?

Das habe ich vor. Ich muss aber schauen, wie sich der Markt entwickelt. Ob es vielleicht mit der Zeit auch noch andere Anbieter für Elektroautos gibt. Ich kann mir auch vorstellen, nochmal einen TESLA anzuschaffen. Wegen des hohen Neupreises muss ich jedoch vorsichtig kalkulieren.

Wo sehen Sie noch Handlungsbedarf, um den Einsatz von Elektroautos für Unternehmen attraktiver zu machen?

Ich denke, mehr Taxiunternehmer würden Elektroautos kaufen, wenn wir Ladestationen direkt an den Taxiständen hätten. Zentrale Ladestationen nehmen einfach zu viel Zeit in Anspruch. Unser Taxiunternehmen zum Beispiel bedient zum Großteil Krankenhäuser. Da muss man auch kurzfristig einsatzbereit sein. Wir müssen auch während des Ladens am Taxistand präsent sein, um einen neuen Auftrag annehmen zu können.

Können Sie sich auch ein Elektro-Auto für den privaten Gebrauch vorstellen?

Meine Frau und ich denken gerade darüber nach. Sie pendelt jeden Tag eine weite Strecke in die Arbeit, rund 70 Kilometer einfach. Ein Elektroauto wäre da sicherlich sinnvoll.

Ist ein Elektroauto denn auch für längere Strecken geeignet?

Mit Sicherheit. Allerdings muss man natürlich über die hohen Anschaffungskosten nachdenken. Ein TESLA ist für viele nicht erschwinglich. Wir würden gerne ein kleineres Elektroauto kaufen, das 150 bis 200 Kilometer Reichweite hat. Die Distanz zum Arbeitsplatz ließe sich dann trotzdem leicht bewältigen.  

Welche Stellung werden Elektroautos in der Zukunft einnehmen?

Meinen Erfahrungen zufolge würde ich sagen: In zehn Jahren wird es kaum noch andere Autos zu kaufen geben. Momentan fehlt auf dem deutschen Markt noch die Auswahl an Produkten, die auch tatsächlich alltagstauglich sind. Alle Kunden, die bei mir ins Taxi einsteigen, sind begeistert. Wäre das Auto 30.000 Euro billiger, würden sicherlich mehr Menschen zugreifen. Hier muss die Auswahl in Deutschland einfach noch größer werden.

E-Taxi-Pionier in Regensburg: Horst Schatz mit seinem Tesla-Taxi; Bildquelle: Stadtmarketing Regensburg

Lautlos, vibrationsfrei und umweltfreundlich: Horst Schatz mit seinen TESLA; Bidlquelle: Stadtmarketing Regensburg